Wir strandeten am Nachmittag an dieser Auffahrt, der letzten vor der Grenze zu New Mexico. In diesem fernen Zipfel des Lonestar State hatte uns ein alter Pickup gefahren, von dem ich eine solche Leistung nicht mehr erwartet hatte. Unser junger Fahrer verließ, nach sechs Stunden gemeinsamer Fahrt, das endlose gerade Asphaltband, um dann auf einer Countyroad nach Norden weiter zu fahren. Bevor er uns zurück ließ, lud er uns zu einem Milkshake im McDonalds ein und wünschte uns schließlich alles Glück der Welt.
Wir merkten sehr bald wie wichtig solche Wünsche sind. Den ganzen Tag über war die Interstate wenig befahren. Mir erschien es, als wenn die Hitze den Verkehr vollständig versiegen lassen würde. Es kamen mehr Wagen von der Fernstraße als an unserer Seite in Richtung Westen auffuhren. Direkt an der Interstate auf dem Seitenstreifen konnten wir leider nicht stehen, dort hätte es ganz sicher Ärger mit der Texas Highway Patrol gegeben.
Einige Fahrer hielten an weil sie neugierig waren und um zu erfahren, wer wir sind und wohin wir wollten. Sie rieten uns an diesem Platz auszuhalten, denn weiter im Westen wäre gar nichts mehr. Dort gäbe es nur trockene Wüste. Ein besorgter, älterer Herr ermahnte uns sogar ausreichend Wasser dabei zu haben. Andere hielten weiter oberhalb kurz vor der Einmündung in den Highway am Straßenrand. Wenn wir mit eiligem Schritt ihren Wagen fast erreicht hatten fuhren sie plötzlich mit Staub aufwirbelnden Reifen davon.
Den Spaß machten wir nur zwei mal mit. Danach ging ich immer allein, gemächlich und ohne Gepäck, zu den haltenden Autos. Mein fremder und den Leuten unbekannter Akzent hatte mir oft im Gespräch zu einer Mitfahrt verholfen. So auch zuletzt an der Tankstelle. An diesem Tag allerdings half er mir nicht.
Mein Kumpel Dan war zwar dumm wie Stroh, aber ein sehr netter Kerl. Wir hatten uns am Vortag an einer Tankstelle in Houston getroffen und, dank des Tankwarts, einen Lift auf der Ladefläche eines Pickup bekommen. Wir saßen auf dem Boden mit dem Rücken gegen die Fahrerkabine gelehnt, um uns vor dem heißen Fahrtwind zu schützen. So schafften wir mit kleinen Pausen die Strecke bis San Antonio.
Dan besaß eine Mundharmonika und spielte ziemlich gut. In der mumifizierenden Hitze wurden seine Spielpausen allerdings immer länger und schließlich gab er auf. Er spielte auch meist nur ein und dasselbe Lied. Er wollte es perfekt können und irgendwann seinem Idol Kris Kristofferson vorspielen.
In unterschiedlicher Entfernung und auf wechselnden Seiten zog sich, neben der Interstate das Bahngleis der Union Pacific Railroad entlang. Während der Fahrt war uns einmal ein Zug sehr nahe entgegen gekommen, sodass wir die Aufschriften der Firmen an den Wagenseiten deutlich lesen konnten.
Drei mächtige Dieselmaschinen zogen den aus unzähligen Güterwagen bestehenden Zug. Wie eine lange bewegliche bunte Wand versperrte er uns einige Zeit den Blick auf den Horizont. Mir fielen die Geschichten aus den ersten Jahrzehnten des Jahrhunderts ein, in denen die Landstreicher sich von den Güterzügen durchs ganze Land haben fahren lassen.
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Fortsetzung nach der Korrektur.
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